Antwort zur Landtagsanfrage zum Artensterben nach Austreten eines Gemisches aus Wasser und einem halben Liter des Fungizids in Reichenbach O.L. liegt vor

Schubert: „Gute fachliche Praxis“ im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gefährdet in Sachsen viele Gewässer – Reichenbach/O.L. ist nur ein Beispiel unter vielen

Dresden. Ende Mai 2017 gelangte ein Gemisch aus Wasser und einem Fungizid (Pflanzenschutzmittel „Cantus Gold“) in den Schwarzen Schöps und das Reichenbacher Wasser. Nach Bürgeranfragen stellte die Oberlausitzer Landtagsabgeordnete Franziska Schubert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) eine Kleine Anfrage an die Sächsische Staatsregierung um Informationen über diese Umweltzerstörung zu erhalten.

Die Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) liegt nun vor. Danach waren zwei Fluss-Kilometer des Reichenbacher Wassers betroffen sowie circa fünf bis sechs Fluss-Kilometer des Schwarzen Schöps ab Mündung des Reichenbacher Wassers flussabwärts.

Die Einleitung des Pflanzenschutzmittels führte zu einem Totalausfall des Fischbestandes und der bodennah lebenden Kleinlebewesen.

Franziska Schubert, Oberlausitzer Abgeordnete von BÜNDNIS 90/ Die GRÜNEN, erklärt dazu:

"Es kam zu einem Totalausfall des Fischbestandes mit den Fischarten Bachforelle, Gründling, Rotfeder, Döbel. Richtig schlimm ist der Ausfall beim Bachneunauge, einer ganz besonderen Art. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte in Sachsen noch von einer weiten Verbreitung dieser Art ausgegangen werden. Heute sind die Vorkommen stark zurückgegangen. Nach der Roten Liste ist das Bachneunauge ohnehin schon stark gefährdet. Die Hauptgefährdungsfaktoren sind Gewässerverschmutzung (Abwassereinleitung, Nährstoffeintrag, Verschlammung) und Veränderungen beziehungsweise Zerstörungen des Lebensraums (Gewässerausbau, Begradigung, unsachgemäße Gewässerunterhaltung, Querverbauungen). Das Bachneunauge hat eine wichtige Bedeutung als Indikator für intakte Gewässerökosysteme mit guter bis sehr guter Wasserqualität (Gewässergüteklasse I-II). Durch das Fungizid wurden jahrelange Bemühungen um eine gute Wasserqualität, in der eben auch wieder bedrohte Arten leben konnten, zurückgeworfen. Für das Reichenbacher Wasser und die ersten Kilometern des Schwarzen Schöps ist das traurig."

"Die Staatsregierung verweist in ihrer Antwort auf meine Kleine Anfrage darauf, dass zum Ausmaß der Schädigung der bodennah lebenden Kleinlebewesen durch die zuständige untere Wasserbehörde Untersuchungen angestrebt werden. Erst nach Auswertung dieser Ergebnisse ist mit der Festlegung von erforderlichen Maßnahmen zu rechnen. Ich werde da auf jeden Fall am Ball bleiben und nachfragen, wie die Ergebnisse sind und was getan wird."

"Staatsminister Schmidt (CDU) verweist darauf, dass bei Schulungen durch die Landesämter Belehrungen zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gemacht werden. Es werde zur Einhaltung der „guten fachlichen Praxis“ beim Umgang und der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln informiert. Auf diese gute fachliche Praxis wird immer hingewiesen von Seiten des Landwirtschaftsministeriums, aber auch der Großagrarbetriebe. Es ist ein Totschlagargument – und die Praxis zeigt eben sehr deutlich, dass sie nicht immer gut ist. Das Beispiel Reichenbach/O.L. ist nur eins unter vielen – Gewässer in Sachsen werden gefährdet und verschmutzt durch Einträge aus der industriellen Landwirtschaft. BürgerInnen, ImkerInnen, NaturschützerInnen können ein Lied davon singen. Mich erreichen fast wöchentlich Beschwerden zu diesem Thema aus unserer Region."

Die Firma BayWa AG, auf deren Gelände sich die Havarie ereignete, steht hinsichtlich der Schadensaufnahme und etwaiger Ausgleichsmaßnahmen mit dem Fischerei-Pächter in Verbindung. Um ähnliche Schadensfälle zukünftig zu vermeiden, wurden Sofortmaßnahmen durchgeführt. So wurde ein sogenannter Totmannschalter eingebaut, Kanaleinläufe geschlossen und eine Mitarbeiterschulung durchgeführt. Weitere Maßnahmen können erst eingeleitet werden, sofern weitere Untersuchungen abgeschlossen sind.
 

>> Die Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Franziska Schubert (GRÜNE) 'Artensterben nach Austreten eines Gemisches aus Wasser und einem halben Liter des Fungizids "Cantus Gold" in Reichenbach/ O.L. (Landkreis Görlitz)' (Drs 6/9721) finden Sie als PDF-Datei hier:

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=9721&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1

 

Quelle: Pressemitteilung Landtagsfraktion